FG-270 LYA 2010 - 2015

 

 

 

Moin!

Da bin ich mal wieder. Habe lange nichts von mir hören lassen. Ob einst mit „WIEBKE“- FG 121 in Berlin durch’s Brandenburger Tor, ob mit „SVEA“- FG 6 Weihnachten nach Bornholm gesegelt, oder die kurze Eisfahrt, es liegt alles schon wieder Jahre zurück. Segler, wie die Zeit vergeht. „WIEBKE“- FG 121 gibt’s nicht mehr (wer jetzt mit dieser Segelnummer unterwegs ist? Mir nicht bekannt).

Das letzte was ich von ihr sah, war der Ballast in Stralsund, bei Martin Ziegler auf dem damaligen Gelände von „Nordschipper“. Inzwischen auch Geschichte. Denn das Gelände wurde spekulativ anderweitig verkauft und Martin übergab das Folkecharter- Unternehmen an Philipp Schaich. Philipp wiederum zog mit all den Folkies und anderen Seglern auf den Dänholm in zwei ehem. Kanonenboot- Schuppen, wo er noch heute seine Folkies verchartert, pflegt und hegt und auch seine Werft betreibt. Dort wird gerade wohl auch von der „Philipp Schaich Werft“ die „SVEA“- FG 6 aufgebaut.

Nun, und ich, ohne Boot, nö nö nö!!!

Ich bin der Segelei treu geblieben und auch dem Folkeboot. Und wieder eines aus Holz. Diesmal aber ohne Eignergemeinschaft. Seit 2010 bin ich stolzer Besitzer der FG- 207.

Ihr fragt Euch sicherlich, warum bis dato von mir noch nix rüber kam, an Berichten.

Tja, was hatte ich schon zu berichten, wenn ich da von Törns wie „Unter Segeln nach St. Petersburg“ von Bastian Hauck las (sogar als Buch erhältlich) und das ganz alleine - mit seiner „Tadorna“. Dann auch noch die Atlantiküberquerung und Teilnahme an der Klassikregatta in Antigua, von einem Engländer, im Holzfolke. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wer kann das noch toppen. Ich mit meinen Törns vor der „Haustür“ jedenfalls nicht mehr. Soviel Zeit müsste man haben. Beruflich wäre das nicht machbar für mich und einen Sponsor fand ich auch noch nicht ;-)). Zweimal bezwang ich den Atlantik schon. Einmal zu fünft, und einmal zu dritt. Drauf herum gesegelt, zum Inselhüpfen auch. Aber nicht in einem Holzfolke, auch nicht alleine. Damals hatte ich diese Zeit. Aber das sind andere Segel-Geschichten.

Nun, denn, gar nichts mehr zu schreiben ist auch nicht die Lösung. In der Folkenews erschienen weiterhin Fahrtenberichte, aber auf unserer Berliner Seite, ist seit langem nix mehr geschrieben worden - Fahrtensegler_mäßig jedenfalls nicht. Da dachte ich mir, ich schreibe mal im Bündel und fasse einfach mal „grob“ die Jahre seit Übernahme der FG-207, zusammen. Schließlich ist sie jetzt in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden.

 

Die Jahre nach „Wiebke“ und „SVEA“, oder:

 50 Jahre „LYA“

Nach Erwerb, sofort Mast stellen und seglerisch in die Meck- Pommerschen Gebiete. Meine Cousine Sibylle und ihr Sohn Johann begleiteten mich auf dem ersten Törn. Wohl jedem bekannte Schusseligkeit- den „Windex" erst nach dem gestellten „Spargel“ zu finden- blieb auch mir nicht erspart. Mit Mastkran und Bootsmannsstuhl, war dieses Manko aber schnell abgestellt. Achterlicher Wind in die richtige Richtung kam wie bestellt und ließ uns die ersten Meilen auf der Ostsee quickly bis in die Boltenhagener Bucht racen. Die Welle geigte uns hin und her, jou, trotzdem schön, oder…

Einen Augenblick unkonzentriert und das Groß wechselte die Seite. Patenthalse???

Bild 1 Jumpstagstreben lose

 

Hätte ich doch bloß den Bullenstander gesetzt. Dieser Fehler und mein Träumen, forderte seinen Tribut. Murphy? „Sibi" entdeckte das Malheur. Beide Jumpstaghölzer hingen traurig am „Draht“ herunter. Diesmal triefte ich nicht und sofort bargen wir das Großsegel, um nicht gar noch den Mast einzubüßen.

Mit der Fock liefen wir den Hafen Timmendorf der Insel Poel an. Dort ortsansässige freundliche Segler empfahlen uns die Holzbootswerft von Ralf Asmus…. in Kirchdorf auf Poel, am anderen Ende der Insel, wo wir gleich am nächsten Tag anlandeten.

Leider war die Werft proppenvoll mit Terminen, so dass wir beschlossen diesen 1. traurigen Törn hier zu beenden. Wir vertäuten uns längsseits am Bornholmer Lachskutter von Manne Müller (†). Er paßt schon drauf auf, schließlich sei seine „ALMA“ auch aus Holz. Und: „Ihr Folkebootsegler seid für mich die Härtesten“, bemerkte er noch zum Abschied.


Bild 2 Ralf Asmus Bootswerft in Kirchheim auf Poel. „LYA“ an „ALMA“ mit Manne Müller.

 

Auch meine neue Errungenschaft sollte einen Namen haben. Die ersten beiden Folkeboote „WIEBKE“, „SVEA“ hatten nordische Mädchennamen und so sollte es auch bei der FG- 207 sein. Die Vorbesitzer gaben an, dass es „NEPOMUK“ heißt. Hmm… konnte in der Schiffshistorie nix dergleichen finden. Nö dieser Name gefiel mir nicht.

Herausgefunden habe ich aber, dass der erste Besitzer das Schiffchen „MICHEL II“ titulierte. Hm, das mochte ich auch nicht.

So wühlte ich in Namens- Lexika nach nordischen Mädchennamen. Die Auswahl war groß, verengte sich aber rasch und mit Einfluß meiner Cousine Sibylle, blieben da nur noch „ALMA“ und „LYA“ als Favoriten. An „ALMA“ von Manne Müller lagen wir gerade, was ein Zufall auch.

Also „LYA“!!!

Hawk, ich habe gesprochen.

"LYA“ bedeutet Beschützerin, schützende Höhle im skandinavischen. Na wenn das kein schöner Bootsname ist. „LYA“ lief 1966 als viertes Folkeboot von acht in Serie, auf der Grell-Werft in Lübeck vom Stapel. Die Grell-Werft existiert immer noch.

Nach zwei Wochen fiel’s mir wie Schuppen von den Heringen. Der Mast stand, die Jumpstaghölzer waren sauber platziert, aber der Preis… 250,- €, für diese zwei „Eichenspäne“. Teure Erfahrung, aber der Herr R. Asmus präsentierte mir nicht nur die Rechnung. Die „EX-Streben“ waren leicht wie Balsa-Holz, faul und schwammig, zusammengehalten nur vom Lack. Ein Wunder, dass ich überhaupt so weit kam.

Merke: Augen auf, beim Bootekauf!!!

Weiter ging’s mit Gerd Großer und der Fußball-WM aus dem Transistorradio. Deutschland kickte Argentinien mit 4:0 aus dem Turnier.

Bild 3 Gerd Großer

Erster Stop, „Hohe Düne“ - die Luxus-Marina in Meck Pomm. Und am nächsten Tag bei Fast-Flaute zum Ziel. Bei „Hanni“ („Zur Fähre“) in Stralsund nahmen wir unser Anlegerbier, ein Muß.

Das erste Jahr mit „LYA“ ging viel zu schnell vorbei.

Bei der alljährlichen Geschwaderfahrt, zum Saison-Ausklang 2010 „klinkerten" wir uns wieder ein. Diese Fahrt führte uns in mir unbekanntes Territorium, zum Bug von Rügen nämlich. Im Geschwader durften wir sogar im Naturschutzgebiet (stillgelegtes Militärgelände) anlegen, aber nur wenn wir einer Naturschutzführung beiwohnen.

Na klar doch. In der blanken Natur, z.B. bei strömenden Regen, von der Vegetation zurück       eroberte Betonplatten (ehemaliges Miitärgelande- Kaiserreich-, Wehrmacht und NVA), wurde gegrillt und am Feuer palavert, welches dann wohl später den Regen verdunsten ließ.


Im Geschwader ging’s am Sonntag zurück. Alle nur mit Fock, da ein heftiges Lüftchen wehte.

Später in Höhe Kubitzer Bodden, wurde dann auch bei allen das „große Laken“ gezogen. Ich ärgerte mich, dass bei uns nur das Sturmgroß eingefädelt war. Somit rasten alle Teilnehmer an uns vorbei.

Bis auf ein paar Kurztörns, ging die Saison vorüber.

In dem nun folgenden 1. Winterlager mit „LYA“, legte ich das Holz blank, um zu sehen woran ich bin. Fazit: für das Alter, gut in Schuß. Das Kajütdach wurde wohl mal erneuert, konnte noch Leinentuchreste erforschen, jetzt Mahagoni-Sperrholz.

Im letzten Moment, das Boot aus dem Wasser geholt, Schnelles Eis ließ den Strelasund zufrieren. „LYA“ als Eisbrecher hatte arg zu kämpfen. Siehe Eisnarbe in der Box.

Nächstes Jahr wird's anders. Viel Arbeit am Boot, wenig Zeit durch Job, ließen für mich die Saison 2011 zur kürzesten denn je werden, dachte ich. Außer ein paar Kurztörns, war nicht mehr drin.

Aber die Geschwaderfahrt der Nord-Ostgefilde, hinterließ wieder bleibende Eindrücke. Es ging nach Waase, wieder auf Rügen gelegen. Alleine würde ich da nie rein segeln.

In „Herdenformation“ dann aber schon. Jeder setzte hier oder da einmal auf. Pricken zeigten uns den Weg. Manchmal standen aber selbst diese nicht mehr. Im Hafen von Waase angekommen, bildeten wir ein laaaanges Päckchen.


Der ganze Pulk brach dann am folgenden Tag, nach sattem Frühstück in der dortigen Gastronomie, unter Segeln auf. Diesmal gab’s keine Grundberührungen mehr, als wenn wir hier jeden Tag lang segelten. Sommerliche Temperaturen, ließen dann auch manche Hüllen fallen (kein Foto mehr gefunden :-)). Watt’n Saisonausklang, man will gar nicht aufhören.

Wieder sehr spät aus dem kühlen Naß, segeln so lang es geht.

Die Saison 2012 führte das Geschwader aus Stralsund nach Pruchten, bei Barth. Wieder holte sich die eine oder der andere Teilnehmer, dieses oder jenes „Grundstück“.

Und in der Saison 2013 Geschwaderfahrt zum Saisonausklang nach Kloster- Hiddensee. Sonst keine nennenswerten Törns zu verzeichnen.

Wer von Euch ist denn schon mal erst am 26.August in die Saison gestartet? Ich ja.

Kurzsaisonrekord 2014.

Bild 12 Badestop vor Anker

Egal, trotzdem wurde „LYA“ dicht und Anke, meiner Freundin reichte die Zeit, um sich ins Folkeboot zu verlieben. Ein neuer Job stahl mir jegliche Zeit. Urlaubssperre und Probezeit ließ mich zwangsweise kürzer treten. Für Langtörns blieb kein Zeitfenster, also beschränkten sich die Fahrten meist auf’s Wochenende ‘gen Hiddensee.

Anke infiziert vom „Folkevirus“, überredete mich jedoch etwas anderes als nur Hiddensee zu kapern. Im letzten Drittel des September steuerten wir dann Bornholm an.

Wie damals 2007 mit SVEA, drehte der Wind so, dass wir nördlicher fahren mußten und wieder Ystad-Schweden anpeilten. 

Zurück dann über Bornholm und bedenklich-, Flauten- behafteten Nebel.


Bild 13 out of the season in Rønne

Die Geschwaderfahrt fiel dies Jahr für uns aus, da ich auf der Rückfahrt von Bornholm nach Lohme - Rügen, bei einem unvorhersehbaren „Flautenwellekin“ mit dem Rücken unglücklich auf den Backskistendeckel fiel. Jou man, das Alter?, Murphy?, Ungeschick?, wer weeß ditt schon. Es ist passiert und tat mächtig weh, mir blieb eine Weile die Luft weg. Der Arzt verordnete strengste Ruh’, vor der dann folgenden Reha. Mein neuer Arbeitgeber war sehr erzürnt. Aber erstmal nach Hause kommen… AUA. Nix gebrochen, „nur“ geprellt, niemandem zu empfehlen.

Erst im November wieder fit auf’s Boot. Häfen leer, aber wir mit vollem Elan „Heiß auf die Segel“.

Novembers Mitte, war unser Aufslipmonat, leider. Wenn man im ausreichend warmen Schlafsack schlummert, aber das Kondenswasser von der Kajütendecke tropft, ist’s langsam nicht mehr schön. Also beschlossen wir kurzer Hand, vom letztem Törnziel Kloster auf Hiddensee, direkt nach Barth zum Kranhaken zu fahren, was wir auch gleich in die Tat umsetzten.


Bild 14 Im November in Kloster- Hiddensee ganz alleine

Trotz kurzer Saison, hatten wir sage und schreibe gar 461-’n halb Seemeilen auf der Logge.

Fortsetzung: Teil 2

 

 

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Folkebootflotte Berlin

Gunter May

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